10.12.2021

FIGHT, HOLOFERNUNS MENSTRUATION, HOPE, I AM HERKULES, RIDING THROUGH THE SEA OF PATRIARCHY

Ina Riegler

FIGHT (171cm x 73cm)
Dieses Werk wurde im Jahr 2019 auf der UN Women Conference in Genf ausgestellt. Es beschreibt die Tatsache, dass zu viele Frauen und Mädchen noch immer Opfer von psychischer, physischer und struktureller Gewalt sind. Steht für den weiblichen Kampfgeist, sich aus der Opferrolle zu befreien. Es ist ein Selbstporträt der Künstlerin Ina Riegler in Boxkleidung. Das Werk nimmt auch Bezug zur Traumapsychologie („Fight or Flight“) auf, und ruft nicht zur Flucht, sondern zum Kampf.
HOLOFERNOUS MENSTRUATION
Sozial konstruierte Dichotome und Stereotype werden mittels starker Frauenbilder zerstört, Tabus werden gebrochen (Menstruation). Anspielung auf „Judith und Holofernes“. Aus der figurativ, expressiv und primitiv gemalten Serie „Destroy Narratives“. Autobiographisches Selbstporträt. „Female Gaze“ der Künstlerin Artemisia auf ihre mythologischen Protagonistinnen. So wird die Heldin nicht zu einem Opfer männlicher Gewalt. Rache.
HOPE
Das Bild „Hope“ von Ina Riegler steht für die Emanzipation der Frauen und Hoffnung auf eine Zukunft der Gleichberechtigung. Hier zitiert Ina Riegler das Gemälde von Napoleon auf dem Pferd des französischen Historienmaler Jacques-Louis David auf ihre Weise, ersetzt Napoleon durch Frauen, um damit zum Ausdruck zu bringen, dass Frauen sich ihre Rechte erobern sollen.
I AM HERKULES
Hier nimmt Riegler Bezug auf ihre Heimatstadt Klagenfurt in Kärnten. Hier steht als Wahrzeichen der Lindwurmbrunnen, wo Herkules den Lindwurm erschlägt. Sie ersetzt den Herkules durch sich selbst, „I am Herkules“.
Aus der figurativ, expressiv und primitiv gemalten Serie „Destroy Narratives“. Autobiographisches Selbstporträt. Identifiziert sich mit diversen Narrativen und Mythen, die meist männlich geprägt sind und zerstört diese, bzw. ersetzt sie durch starke Frauenbilder als Heldinnen. Sozial konstruierte Dichotome und Stereotype werden mittels starker Frauenbilder zerstört, Tabus werden gebrochen.
RIDING THROUGH THE SEA OF PATRIARCHY
Beschreibt die Schwierigkeit in einer patriarchal geprägten Gesellschaft zu leben. Autobiographisches Selbstporträt. Stolz und stark fährt Ina Riegler als Galionsfigur mit einer Pfeife im Mund über das blutige Meer des Patriarchats. Aus der figurativ, expressiv und primitiv gemalten Serie „Destroy Narratives“.

09.12.21

NO TO SEXUAL ASSAULT

Anna Paßlick

„Für U.“: Diese Arbeit entstand im Anschluss an ein Gespräch mit meiner Freundin U.. U. wurde gemeinsam mit anderen ehemaligen Schüler:innen laut und bot Unterstützung für Betroffene an, als an ihrer früheren Schule Fälle von sexueller Belästigung öffentlich wurden. Gleichzeitig ist die Arbeit ein Zeichen der Ermutigung und Wertschätzung für alle, die sich unermüdlich für eine Welt ohne sexualisierte Gewalt einsetzen.


08.12.2012

ALLES WAS DU SEHEN WILLST

Julia Bugram

In den gezeigten Werken geht es um Selbstermächtigung. Der „male gaze“ wird dekonstruiert, das Modell löst sich aus der Opferrolle und emanzipiert sich, sagt den Kampf an.

Wir haben am 22.11.2021 bereits 27 Femizide in Österreich. Femizide – das sind Morde an Frauen. Diese Statistik macht mich dermaßen fassungslos und wütend, dass ich kaum weiß wo ich beginnen soll. Das Ausmaß an Gewalt dem Frauen ausgesetzt sind ist riesig und unglaublich vielschichtig. Ob physisch oder psychisch – Gewalt hat viele Seiten und ist oft nicht (auf den ersten Blick) ersichtlich.

Was die strukturelle Begünstigung von Gewalt in unserer Gesellschaft betrifft: wir werden auch künftig nichts Geringeres tolerieren, als diese benachteiligenden, restriktiven Systeme zu durchbrechen, die teils verschleiern und häufig viel zu spät, wenn überhaupt erst Hilfe für Frauen* ermöglichen – in diesem Sinne: #letssmashthepatriarchy.

Copyright: Jolly Schwarz – https://www.facebook.com/JollySchwarzPhotography

THAT KIND OF A SOUND

Tamara Kovačević

Like a hungry kitten. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her, why. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her, why is he cursing. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her, why is he cursing, why. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her, why is he cursing, why is he hurling her against the radiator. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her, why is he cursing, why is he hurling her against the radiator,

that kind of a sound.

Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her, why is he cursing, why is he hurling her against the radiator, that kind of a sound of the neighbour downstairs. Like a hungry kitten, that cannot find mummy cat, for it is not hungry, but thrown away, no, thrown out of mummy’s hug, silently moans seeking solace and why, why is her brother kicking her, why is he cursing, why is he hurling her against the radiator, that kind of a sound of the neighbour downstairs,

while I sip my afternoon tea.


07.12.2021

FRAUEN IN HÄUSERN

Peta Klotzberg

„Frauen in Häusern“ lag mir sehr / schwer am Herzen, als ich es 2017 schrieb. Wie traurig aber, dass es 2021 noch genauso aktuell und wahr ist. Zu meinem Glück basiert es nicht auf persönlicher Erfahrung, aber auf Beobachtungen. Die Freundin, die nach Tibet auswanderte, weil ihr Freund ihr fast den Zahn ausgeschlagen hätte. Eine Frau mit blauen Flecken auf der Straße, wo einem der Gedanke kommt: „Wie? WIE ihr helfen?“ Die verzweifelte Straßenbahnfahrerin, die panisch einen Freund anruft, weil ihr Stalker sie wieder auflauert…. Und eben die Geschichten aus den Frauenhäusern selbst.

Das alles wollte ich in eine Geschichte packen, ich wollte Sprachrohr sein. Und hatte das Glück, vom Multiinstrumentalisten, Sprecher und Musikproduzenten Hannes Bertolini in dieser Sache höchst professionell unterstützt zu werden. Die Frauenschicksale, die mein Text skizziert, werden unterstützt und verdeutlicht durch seine Musik, seinen facettenreich gestalteten Klangteppich. Um unser Ziel: Die Message an die/den Hörer zu senden, bestmöglich zu erreichen. Es war mir wichtig, diese Geschichten möglichst persönlich und poplastisch darzustellen.


06.12.2021

WHERE COMES THE BLOOD FROM

Antonia Sophia Manhartsberger

Das Video ist als persönliche audiovisuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Grenzüberschreitung und Gewalt an Frauen entstanden, um dem Zustand der Sprachlosigkeit und Betäubtheit zu entkommen.


05.12.2021

OHNE TITEL

Anonym

Der Hauptfokus meiner Zeichnungen sind meine nicht cis-männlichen Freund*innen. Sie sollen Gegendarstellungen zu der (verzerrten) Wahrnehmung des patriarchalen Blicks auf weiblich gelesene Körper bieten. Ich versuche durch die Verzerrungen der Körper und Ausdrücke meiner Figuren die geltenden Schönheitsnormen in Frage zu stellen, zu destabilisieren und nicht-männliche Körper von dem objektivierenden, patriarchalen Blick zu befreien. Meine Figuren sind gefährlich, roh, wütend und lustvoll. Sie tanzen, singen, lesen, chillen, posen für die Kamera und wehren sich dagegen, Projektionsfläche für sexistische Fantasien zu sein.

OHNE TITEL

Asta CinK

Die Polaroids stammen aus dem Jahr 2015 und stellen Fragmente eines Versuchs der Visualisierung dar. Polaroids in Anlehnung an die Ästhetik von Filmstills bilden für mich die Unmittelbarkeit des Moments ab. Ein Tagebuch in Bildern. –


04.12.2021

SESSELSPIELE

Karo K.

In Mitten des Raumes steht ein Sessel.
Auf dem Sessel steht: „schuldig“.
Ich setze mich auf den Sessel.
Der Raum ist leer, niemand zwingt mich auf dem Sessel zu sitzen, aber ich weiß, dass ich dort sitzen muss.

Ich saß auf dem Schoß des jungen Verwandten.
Er wollte spielen, es war kein Spiel.
Ich spielte nicht lange mit.
Auch mit 4 Jahren wusste ich: das ist kein Spiel.
Danach saß ich auf dem Sessel.

Es war der Tag an dem meine Schwester die
Türe zu unserem Zimmer verschloss,
und sie mich zum Spiel schickte,
das sie nicht mochte.
Vertraue niemals Kinderspielen.
Mit Bleistift ist „schuldig“ geschrieben.

Ich weiß nicht wann wir Verwandten von dem Spiel erzählten. Es war nicht wichtig,
weil ihnen es nicht wichtig war.
Es wurde nicht laut erzählt – nur geflüstert,
nur in die Ohren anderer Verwandter.
Es ging nicht um Schuld, es ging um Tratsch.

Es war nicht oft und er war nicht erfolgreich,
weil wir wussten: das ist kein Spiel.
Meine Schwester war schon älter.
Sie störte eine jüngere Schwester.
Mich störten die Spiele mit meiner Schwester.

Ich übernahm die Schuld, und setzte mich auf den
Sessel, denn es gab keinen anderen Sessel in dem
Zimmer. Für mich gab es keinen Schutz,
keinen Aufschrei, kein Gespräch.
Meine Schwester verschloss die Türe für immer.

Es war auf den Stiegen, als er mich auf seinen 
Schoß nahm. Es war auf anderen Stiegen, als mich 
ein Mann zu einem Kaffee überredete. Ich war 16 
Jahre alt, er war über 40. 
Ich war high, er war nüchtern.
Ich wollte zu einem Sessel, mich setzen,
er brachte mich auf die Toilette.

Die Toilette konnte nicht verschlossen werden.
Es schmerzte obwohl ich meinen Körper nicht
spürte. Es dauerte kurz, der Schmerz aber blieb.
Er brachte mich auf die Straße, ich konnte nicht
nach Hause finden. Ich wartete noch immer auf den Kaffee.

Ich setzte mich in der Ordination eines Arztes
auf den Sessel. Ich erzählte ihm was mir passiert
war. Er sagte: ich soll zugeben, dass ich mich
prostituiere. Ich war 16 Jahre alt. 
Ich war Schülerin. Ich war nur high, aber „schuldig“.

Ich war schuldig, weil niemand hörte wie ich „nein“
sagte. Niemand hörte wie ich „nein“ sagte, weil ich
„nein“ nicht sagte. Viele hörten aber davon, dass 
ich nicht „nein“ sagen konnte. Das wurde 
getratscht, da ging es um Schuld, nicht um Tratsch.
Ich fand die Männer die kein „nein“ hören wollen,
und sie fanden mich.

Jenen Männern, den ich hinterherlief, lief ich
hinterher, weil ich nicht wusste, was passiert, 
wenn ich „nein“ sage. Wenn ich „nein“ sagte,
dann passierte etwas. Danach lief ich wieder zurück
zu ihnen, denn ich wusste nicht wohin ich laufen
soll. Und ich dachte, ich sei schuldig,
die anderen dachten, dass ich selber schuld sei.

Dem jungen Verwandten lief ich als Kind hinterher,
die Stiegen hinunter, weil ich wollte spielen.
Ich wusste nicht welche Spiele er spielte.
Er war alt genug, er wusste was er spielt.
Was wenn er noch immer spielt?

Was passiert ist, kann nicht vergessen werden.
Ich vergesse nicht, weil ich auf dem Sessel sitze.
Ich sitze auf dem Sessel, weil ich versuche zu
verhindern, dass es wieder passiert. Ich versuchte
zu verhindern, dass es anderen passiert,
deshalb werde ich nie vergessen.

Ich lernte meinen Körper nicht zu fühlen,
wenn ich mich nicht „nein“ sagen wagte.
Doch ich verlernte nie zu fühlen.
Ich fühle und lebe und liebe das Leben.
Doch ich laufe Spielen nicht mehr hinterher.

Ich bin angekommen und aufgestanden.
Ich brauche keinen Sessel mehr, denn ich bin auf dem Boden der Tatsachen angekommen.
Und Tatsachen helfen anzukommen.
Und ich schütze mich selbst und spreche
es aus und spreche darüber und muss nicht vergessen.

ZUM TEXT: Gewalt gegen FLINTA* hat auf Grund patriarchaler Machtstrukturen System und ist strukturell verankert. Frauen* werden im Patriarchat bis heute als Besitz gesehen. Dieses Eigentumsdenken wurde und wird von jenen geprägt, die sich auf Grund  von Ungleichverhältnissen Ressourcen und Macht sichern können und konnten. 

Frauen* werden zudem im patriarchalen Denken zum sexuellen Objekt degradiert und bis heute das selbstbestimmte Ausleben /Nicht-Ausleben und die Vielfältigkeit der eigenen Sexualität und sexueller Orientierung abgesprochen oder verurteilt. Scham und Schuldgefühle sind nach sexuellem Missbrauch und nach Gewalterfahrungen nicht nur Teil einer Reaktion auf die traumatisierenden Ereignisse, sondern sie sind auch Etiketten der Gesellschaft, die diese den Betroffenen umhängt. Scham und Schuldgefühle waren daher auch lange Zeit und über Strecken Wegbegleiter für mich und sie waren Wegbereiter für erneute Gewalterfahrungen, da sie ein Entkommen erschweren. Bis heute werden sexuelle Gewalt und Missbrauch oft verharmlost, tabuisiert oder verschwiegen. Es wird darüber geflüstert.

Ich will nicht das Tabu, das Flüstern und Schämen sein, dessen was passiert ist.

Für mich war das Niederschreiben dieses Textes, das in Worte kleiden der Geschehnisse ein erneutes und wichtiges Aussprechen; denn es muss ausgesprochen, benannt und aufgezeigt werden, um gestoppt werden zu können. Es widerfährt so vielen, weil es sich als Teil von Machtasymmetrien in der Gesellschaft etabliert hat. Das „Bild“ zum Text schafft Distanz und verdeutlicht, dass das Geschehene nicht den Betroffenen auf den Leib geschrieben ist und nicht auf den Leib geschrieben werden kann, sondern dass die Gewalt gegen FLINTA* Tatsache und Teil der Gesellschaft ist und nicht hinter den Mauern versteckt werden darf. Es bedarf der Thematisierung von Gewalt und des Protestes in der Öffentlichkeit und letztlich der Änderungen der strukturellen Machtdiskrepanzen.  


03.12.2021

OHNE TITEL

AnnE Oeschger


02.12.2021

IT´S TIME TO (Walk-) Act

cLiTzern

cLiTzer ist ein wunderlicher Walk – Act entsprechend der faszinierenden Anatomie der Klitoris. 3 Meter groß in 3 D (Stelzen Walk – Act).


01.12.2021

SOUVENIRS

Barbara Tereshchenko

This project is based on the anonymous collaboration with women survivors of rape, child abuse, domestic violence. Each ball contains a personal “souvenir”. A memory woman can never get rid of, a story of violence. Traumatic flashback represented in a traditional form of a gift shop toy (glass balls with a place of interest or a Santa Claus inside, the ones you have to shake to get the snow falling). The whole idea of a souvenir, as something you want to keep is reversed. These are the memories that stay with you against your will. At the same time, those memories are isolated from the viewer, and from the victim thanks to the glass balls. The glass is both suffocating/claustrophobic as it creates vacuum inside the ball and healing because it helps to distance oneself from trauma.

STOP VIOLENCE AGAINST WOMEN III

Petra Paul

Frauen sind in Österreich sehr stark von Gewalt betroffen. Heuer wurden bereits 28 Frauen ermordet, es gab 51 Fälle von schwerer Gewalt bzw. Mordversuchen an Frauen (Stand 23.11.2021). Österreich ist das einzige EU-Land, in dem es mehr weibliche Mordopfer gibt als männliche. Aus diesem Grund entstehen immer wieder Arbeiten, die sich mit diesen Themen auseinandersetzen – mit Gewalt an Frauen und mit Femiziden. In zahlreichen Arbeiten wird die rote Hand als Stoppzeichen eingesetzt und kombiniert mit den Worten: STOP VIOLENCE AGAINST WOMEN. Es gibt somit ein Schlussbild mit der Hand und dem Text, es wird aber auch die Entstehung der Arbeit filmisch/animiert gezeigt. Nach jedem Frauenmord wird auf Facebook die mediale Nachricht gepostet und darauf entweder ein Film oder das Bild mit der Aussage: STOP VIOLENCE AGAINST WOMEN.


30.11.2021

he said she said

Susi Krautgartner

Aussage gegen Aussage – die ultimative Binär-Manifestation. Gewaltverbrechen an Frauen zeichnen sich oftmals durch Strategien der Verleumdung und das gezielte Relativieren der Aussagen der Frauen aus. Der Versuch Betroffene in patriarchaler Brachial-Manier in ihrer Glaubwürdigkeit, Würde und Integrität zu untergraben ist ein bekanntes Phänomen im Kontext gerichtlicher Anhörungen. 

Der Bagger im Video eliminiert scheinbar mit Genuss und Feingefühl das Herz am Fenster eines zum Abriss freigegebenen Hauses. Er zielt langsam auf das Fenster und der finale Akt der Zerstörung wird durch ein ins Mark fahrendes Klirren begleitet. Wie schildert er, wie schildert sie, wie schildern wir unsere Beobachtung dieses Schauspiels?


29.11.2021

OHNE TITEL

TPR

Ein safer space. So soll es sein. Ein zu Hause, in dem Bezugspersonen zusammen wohnen, leben, lachen, lernen und aufwachsen. Die kleinste Sache, eine etwas zu dicke Scheibe Brot, kann jedoch die Harmonie zum Kippen bringen. Sie kann Wut entfachen lassen- gebündelt, kraftvoll, gewaltvoll.


28.11.2021
FRAGILE BALANCE

Savina Capecci

acrylic and oil on canvas, 120x100cm each, dyptic,2020

Women blocked home with a violent partner, damaging their physical and psychological health. In the painting, the ambiguity between care and violence lies in the tension of a pinkish scarf or tie wrapping the partners together.


27.11.2021

IS IT THE TIME, THAT HEALS ALL?

Carina Brunnelli

I have to trust , they said
trust in what, I asked?

Life will come, they said
when, I asked?

When you close the past, they said,
how should I do this, I asked?

You can’t take it with you, they said
But I can’t forget, I replied

You will never forget, they said
But my fear is too big, I answered.

Fear makes you freeze, they said.
how do I get new courage, I asked

The time will quide you.
Do I still have so much time, I asked?

Every second, every minute, every day, they said.
Is it time, that heals all?


26.11.2021

OHNE TITEL

Delaja Esther Oblak

Ausgehend von persönlichen Erfahrungen sowie Beobachtungen und Analysen von Medien(-berichten), entstehen comicartige Zeichnungen. Meine Intention ist, „unsichtbare Gewalt“ sichtbarer zu machen: Gewalt, die von vielen Menschen – oftmals Frauen tagtäglich erlebt wird. Die Zeichnung als Sprachrohr möchte ich nutzen, um auf Misstände hinzuweisen. Ich widme meine Zeichnungen allen Menschen, die Gewalt erfahren, aber nicht darüber sprechen können und auch nicht gesehen werden.

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich mit Gewaltphänomenen in Bereichen, die meist unberührt bleiben. Das Thema Gewalt an Personen, die nicht der „gängigen Norm“ entsprechen, zieht sich durch meine Arbeit; beleuchtet werden tabuisierte öffentliche und private Räume in Österreich. Sie erzählen zum Beispiel von Covid-Folgeerscheinungen, von zugesperrten Krankenhausabteilungen, von tagtäglichen Diskriminierungen und Gewalt an Menschen, die aufgrund von psychiatrisch-medizinisch oder psycho(logisch)-therapeutisch bedingten Stigmatisierungen in unserer Gesellschaft behindert werden.

MOVING MOUNTAINS

Marylise Vigneau

In Kyrgyzstan, domestic violence, bride kidnapping and women’s rights violations are endemic: in 2018, the UN estimated that ~14 per cent of Kyrgyz women under 24 were married through coercion. Brutal patriarchy masquerading as tradition is systemic.

These environmental portraits seek to highlight the existential struggles of a few women through their significant stories of strength and resilience. A strange punching ball shaped like the torso of a woman symbolises the plight of women in patriarchal societies; A mother still embraces the coat of her recently murdered daughter and asks for justice while a young girl speaks of desire and feminism. They all cry and fight, dream and work, learn and play. They reflect on the many ongoing issues and try to shape a future where they can breathe freely and have their rights recognized and implemented. Amid grit and dust, industrial ruins and chronic political instability, under the dense Central Asian sky, these women walk through the days, advance through life like vibrant oriflammes.

(These portraits of women constitute one chapter of  „Faded Reds, Ardent Blues“, a story that aims to chronicle little-known Kyrgyzstan born out of the implosion of the Soviet Union 30 years ago. )

Bishkek, April.8, 2021
Left and right
: A demonstration takes place in front of the Interior Ministry. The day before, the dead body of 27-year-old Aizada Kanatbekova was found in a car. She had been strangled after having been kidnapped at the beginning of the week. The kidnapping was caught on a CCTV camera. On April 5, a woman crossing a Bishkek street on a rainy spring day is approached by a man, his red Honda parked askew on the roadside. She tries to walk past him, but he takes her arm. As she begins to struggle, two other men come into the frame, and they help the man drag the woman toward the car. She is then pushed into the car as another pedestrian crosses the street, and the road traffic continues. During this demonstration, Protesters demanded accountability; they called for the police to finally act to counter a practice that has been illegal since 2013 but continues to occur: „Ala kachuu“, „bride kidnapping.“ Some claim it to be „tradition“, while it is one of the many aspects of systemic violence against women. On the image on the left, on the sign in Kirghiz, one can guess the sentence „I want to live“.

Balykchy, April.25, 2021
Left : Nazgul Shakenova embraces the coat of her murdered daughter. It has been 20 days since Aizada Kanatbekova was found strangled in a car, with the body of her murderer beside her. She was 27 and worked as a translator in a Turkish textile company. Weary with sorrow, Nazgul recounts how wonderful her daughter was. „Aizada was kind, attractive, intelligent, determined. Aizada loved animals, had excellent grades and was helpful. Aizada was in the national team of volleyball and basketball. She also knew several languages. She was about to leave for Turkey to work and to escape from her stalker. She had her ticket and her visa.“ She says that her daughter and her murdered had met on Instagram, that she had had a disquieting feeling as she saw his picture. „He looked like a real maniac“. Aizada, for a time, concealed the behaviour of this man from her mother. The way he pursued her, the violence of his words, his threats, his incessant calls. And this is what tortures Nazgul: if her daughter had only told her everything, she could have acted and protected her. 

On 5 April, the day she was killed, a distraught Aizada called her mother, and her last words were: ‚I am going home now“. Nazgul still hears her daughter’s screams. Nazgul is confident that the police had the necessary information to rescue her daughter (the abduction was recorded on security cameras, and the vehicle’s make, model, and licence plate were visible on the recordings) but chose to ignore it. She knows that the disappearance of the child of a wealthy family would have been immediately investigated. Instead, police officers appeared to see Aizada’s kidnapping more as a rite of passage than as a crime. „They said: ‚You will live it up at the wedding! The matchmakers will come to you soon, you will see!“. The mother of Aizada found out about her killing on Instagram. The police did not bother to contact her before six days. She received many condolence visits in the days following the funerals; „Even strangers came to cry“.

Right above: Portrait in absentia of Aizada on the shore of the lake Issyk Kul. UNFPA surveys show that more than one in five women were married through abduction. Forced marriage is a criminal practice and a violation of the rights of women and girls. However, convictions are rare, and women are often unwilling to report it for fear of reprisals.

Osh, May.5, 2021
Left
Muhayo Abduraupova is a human rights lawyer. In 2011, she founded the ONG „Positive Dialogue“. The organization supports marginalized and vulnerable communities such as LGBT+, HIV positive persons and, women. Muhayo seeks to eliminate discrimination towards women and girls by making juridical consultations more accessible for victims of domestic and gender violence from remote areas, specifically. She was beaten once on the street; she received many treads, including menaces of beheading. She also got attacked by nationalistic, patriarchal groups such as „Kyrk Choro“, members of which think that she promotes Western values conflicting with the Kyrgyz culture, which is based on traditional values and conservatism.

RightAmina, is a transgender woman and a sex worker. She encounters much violence. Sometimes clients come mainly to beat her. She is from a village near Jalalabad, and her parents are farmers. She would like to go through sex reassignment surgery and open a small business like a beauty salon. Before she was born, her grandmother dreamed that she had a granddaughter named Amina. Thus, much later, she chose this name as her female name. For Amina, it was like finding her true identity through her grandmother’s dream.

Bishkek, April.7, 2021
Left:
 Adele Omorova, 21, was born in Jalalabad to a single mother who went to Russia to work when she was only three years old. Since 2017, she has been a member of the Reproductive Health Alliance, the only organization in Kyrgyzstan that addresses issues like early pregnancies, contraception and gender equality. Since 2019 she also works for the NGO „dance for Life“. She visits schools and educates young people about sexuality and reproductive health. She currently studies diplomacy at the National Kyrghyz University and is determined to contribute to the betterment of her country. She poses in the Sports Palace of Bishkek, where the office of „Dance for Life“ is located. Behind her, Alimbek Datka, a historical figure of a pre-Soviet Kyrgyzstan, is almost smiling.

Bishkek, December.15, 2019
Right: 
Named „Evermust“, this work by Kazakh artist Zoya Falkova was part of the first „Feminnale“ in Bishkek at the Kyrghyz National Museum of Fine Arts. „Evermust“ is a sculpture composed of a black-and-red punching bag shaped like a female body. It is a statement on gendered violence in a region where such incidents are frequent. Evermust was one of six pieces removed from the museum on the orders of the Minister of Culture after conservative groups expressed outrage over the exhibition’s inclusion of nudity and messages sympathetic to the LGBTQ community. The uproar forced museum director Mira Djangaracheva to resign amid threats of violence.

ABGEMELDET

Alba Malika Belhadj Merzoug

Kurzfilm, 2:41 min, 2021

„Abgemeldet“ ist eine Absage gegen Gewalt an Frauen und soll zeigen, in welch subtiler Form diese oft auftritt. Anhand der Erzählung einer wahren Geschichte aus der Sicht eines Postkastens, welcher Tag für Tag beobachtet, wie eine Frau die Post ihres Ex-Freunds holt, während dieser sie mit Nachrichten tyrannisiert, werden Gewalt und Fremdschutz gegenübergestellt. Trotz der vielen Gemeinheiten wird dem Ex-Freund weiterhin geholfen, er bleibt weiterhin bei ihr gemeldet und sie schützt ihn, obwohl sie sich schon lange selbst schützen sollte. Dieser ewig scheinende Kreislauf wird letztendlich gebrochen, die männliche Stimme verstummt und sein Name hat keinen Platz mehr am Postkasten verdient. Die Erzählfigur des Postkastens unterstreicht überdies die Alltäglichkeit maskuliner Gewaltstrukturen und schult die Augen der Betrachtenden, um auch im Alltag mehr Sensibilität für toxische Maskulinität und Gewalt gegen Frauen, in all ihren Erscheinungsformen, aufzubringen.


25.11.2021

SEX WORK – LOCK DOWN
Helena Lea Manhartsberger

Im Projekt sex work – lock down setzt sich Helena Lea Manhartsberger mit dem Thema Sexarbeit in Zeiten von Corona in Österreich auseinander. Gemeinsam mit ihren Protagonistinnen beschäftigt sie sich mit den Herausforderungen der aktuellen Situation und den Strategien, die Menschen in dieser Branche gefunden haben, um durch die Pandemie zu kommen. Sexarbeiterinnen, Betreiber, Kunden, Sozialarbeiterinnen und Aktivistinnen teilen ihre Erfahrungen und geben vielfältige Einblicke in die Thematik. Intime Porträts, Bilder von Orten und Gegenständen sowie Interviews vermitteln einen Eindruck dieser herausfordernden, von Lockdowns, Abstandsregeln und Berufsverbot geprägten Zeit, für die körpernahste aller Tätigkeiten.

Sommerfrüchtchen
Sigrid Langrehr – miszSputnik

Musikclip, 3:09min, 2019

LILLA SZÁSZ: POSITIVE

Photo-diary with sound, 12 min, 2013-2015

Martha has lived with HIV for 15 years. She was infected by her husband, Béla. The couple had never had a harmonic relationship. Béla often left Martha alone with the kids. Once, shortly after the changes of the regime he left the family and went somewhere to WesternEurope for a longer period of time. No one knew exactly where he went. Upon returning Martha asked Béla to have himself tested for HIV as HIV was an issue often present in the press at that time. He went – he said. It is not known whether he told the truth or not, but soon after he was diagnosed with HIV. It also turned out, that Martha was infected, too. At first Martha wanted to kill her husband. Still, she stayed with him. She cared about him until the last moment. Béla died from AIDS 15 years ago.

At present Martha has worked as an activist; she launched the ‘HIV positive grandmother’ Facebook page where she regularly posts about the situation of HIV in Hungary. “I have always wished to become special” – says the main character of Positive – But I had never thought that something would happen to me that carries self-pity…I am now happy with my state as it is. It is now clear that I am able to cope with it, with the tasks, problems connected to it, and I can accept all that this state brings to me as a plus. “

Positive’ presents a subjective interpretation of a life with HIV that contradicts all stereotypes. The images of Positive therefore do not draw the viewers’ attention on the human body surrendered to the disease. Szász opens the HIV discourse – almost totally absent from the Hungarian contemporary art scene – with an abstract photo-diary. The photo-film follows the past 15 years of Martha’s life; following Martha’s voice, the artist re-enacts and reinterprets real and imaginary scenes of the story.